ZUVOR - NACHHER

Umkehr aller Werte 

 

ZUVOR war klar dass unendlich verehrt wurde wer Olympiaden organisierte, wer reich war und viel besass, die Kultur und Kunst und Literatur waren in hohem Ansehen und Events und Sport das Mass aller Dinge für die Dummen der Welt. Sogar Krüppel liefen um die Wette.

Wer ständig um die Welt reiste und einen TESLA voller unnützer Batterien fuhr, galt als fortschrittlich und wer die Wissenschaft als die oberste Maxime der Menschheit taxierte, galt als aufgeschlossen. 

Modische Weiber die umher gackerten den langen Tag mit ihren Smartphones waren auf allen Titelblättern, wer am meisten konsumieren konnte galt als Wunder und wer diese Welt am schnellsten zum Abgrund hinbewegte, galt als intelligent. 

 

Dann aber geschah das «1. Gebot» der «10 Gebote von Delavy» und alle Börsen, Banken, Staaten kollabierten, alle Gelder wurden wertlos, die Cloud implodierte und nichts funktionierte mehr auf dieser verschissenen Erde so um 2035 herum. 

Natürlich waren Pinker und Mingels und Biden-Harriz und Bockbär und alle Arschlöcher des Fortschritts schon längst entweder tot oder massakriert von den Massen, aber viel blieb zu tun. 

 

NACHHER galt jedes Arschloch, das von seinen Reisen erzählen wollte, als Aas und er oder sie wurden auf der Stelle zu Tode gemartert. Nichts mehr bewegte sich, ausser auf Beinen, es gab längst keine Infrastruktur mehr für Autos, Flugis oder was auch immer. Wer auch immer eine Idee zu einem Theaterstück oder Buch hatte, wurde in Todesfabriken spediert, wo sie zu Esswaren verarbeitet wurden. 

Längst hatten sich die öden Massen der Welt daran gewöhnt, dass sie zu Milliarden verreckten an fehlender Nahrung, kein Wasser, Pandemie, das Gesundheitswesen war inexistent, Armeen aufgelöst, Polizei würde auf der Stelle ermordet, alles war völlig anders. 

Wer ein Kunstwerk versteckte, wurde aus dem Versteck hervorgeholt und zu Tode gemartert oder lebend gekocht. 

 

Es stank wie auf einer riesigen Müllhalde überall und es gab nichts mehr zu kaufen, alle Firmen der Welt hatten Pleite gemacht und Bezos und Musk und Zuckerberg waren auf grauenvoll Weise aus ihren riesigen Sportwagen gezerrt und zerrissen worden wie einst Gaddhafi – es war zum Schiessen. 

Als gegen Ende des Jahrhunderts das schlimmste Tier der Evolutionsgeschichte im All verreckt war, kamen die 

100 Götter 

des Universums zusammen und frugen sich, ob man ein Angedenken an dieses Schwein von Tier machen sollte (sie entschuldigten sich sofort beim realen Schwein) - aber der Hauptgott Delavy entschied, dass es weder Götter gab, kein Gedenken und nichts ausser einem stinkenden Planeten, eine Müllhalde, die Milliarden von Jahren noch um seine Sonne aus Billionen kreisen sollte und dann bleibe im All nur noch etwas: 

- Der HORROR VACUI------------------- 

 

René Delavy – Côte d’Azur

May 2022

 

 Aus "Gedanken in Turin" - 1999:


Rückblick von der Basilica di Superga auf die Stadt unter der Dunstglocke 

 

Der grosse Platz vor der Kirche von Superga ist ganz menschenleer an diesem frühen Morgen.

Am Sonntag bei der Ankunft drängten sich hier die Leute. Ihre Autos hatten wohl den ganzen

Vorplatz mit Technik verstellt, waren doch Fahrzeuge noch weit weg vom Dom parkiert. 

 

Doch jetzt eine absolute Stille. Die Stadt ist zu weit weg, als dass man ihr Brummen und Dröhnen

bis hier vernehmen könnte. Vom Berg vor der Kirche in die Tiefe schauen und nur ahnen, wie

bei der Ankunft, als sich Turin unter der Abendsonne versteckte, dass sich hier unten eine Gross-

stadt befindet. Diesmal verschleiert ein heller Dunst, der aus dem Fluss aufsteigt, die Weitsicht

auf die piemontesische Landschaft. 

 

Ein Weg führt durch den Wald rund um die Kathedrale, die mit ihrer riesigen Kuppel gewaltig wirkt.

Warum nur ist dieser Ort im Norden nicht besser bekannt? Clochy ist es egal, wo er sich befindet,

er kennt keine Ergriffenheit vor der Grösse von Gebäuden oder Aussichten; dagegen ist er sehr

ergriffen von den Gerüchen von den Herren und Damen seines Geschlechts. Sein ganzes Denken

scheint sich im Moment um seine Nase zu drehen, und er wundert sich höchstens, warum seine

Leute dauernd stehen bleiben und in die Luft gucken. Ein sonderbares Benehmen, wo es doch hier

am Boden so herrlich riecht; die Menschen haben keine Ahnung von Lebensqualität. Er hat in

kuriosem Sinne recht: Unsere Art, die Welt wahrzunehmen, ist derart anspruchsvoll, dass wir

dauernd vom Gesehenen und Erlebten überfordert sind. Zugeben würde es niemand. Doch die

Wucht der Historie ist da, ob wir sie wahrnehmen wollen oder nicht. Und diese Wucht des Ge-

wesenen erzeugt eine Unbestimmtheit, die uns an historischen Stätten wie bewusstlos wandeln

lässt. Da hat es Clochy mit seinem Hirn wesentlich einfacher. 

 

Auch von innen ist die Kirche überwältigend. Während Rita alles genau inspiziert, ist Tigi darauf

bedacht, seine Wahrnehmung wie zu schliessen und sich abzuschotten von dem zuviel an

katholischen Tand. Er ahnt, dass es unmöglich ist, sich hier korrekt beeindrucken zu lassen.

"Weisst Du, alle diese tausende von Kirchen, ein Phänomen wie sie entstehen konnten in so

wenigen Jahren. Warum hat jedes Kaff eine Riesenkirche, die aber meist jetzt am zerfallen ist?

Welcher Grössenwahn hat die Bauherren getrieben, solche Bauwerke in Laufe von Jahrzehnten

aus dem Boden stampfen zu lassen? Und warum taten sie es? Wollten sie der Vergesslichkeit

der Zeit entgegenwirken und sich noch zu Lebzeiten ein Denkmal setzen und damit ihren Gott

in gute Stimmung versetzen für den Moment, wo sie meinten, ihm gegenüber zu stehen nach

dem Tode?" Tigi wirkt irgendwie verzweifelt und stampft umher ohne eine Frage abzuwarten. 

 

Rita findet die Fragerei müssig und irgendwie stört sie der Gedanke, dass ihr Begleiter immer

alles in Frage stellt respektive mit Fragen umrankt. Es ist doch wirklich einfacher im Leben, wenn

man die Dinge einfach so nimmt, wie sie heute und jetzt gegeben sind. Dieses Hinterfragen, was gewesen ist oder was sein wird, führt doch nur zum blanken Wahnsinn. 

 

Tigi ist allerdings der Meinung, dass der Wahnsinn bereits grassiert und die einzige Medizin

dagegen das Verstehen von Ort und Zeit sein würde. Er jedenfalls sei nur deshalb noch lange

nicht übergeschnappt, weil er sich eine innere Ordnung geschaffen habe, die ihm erlaubt, alles

Erlebte, Gelesene und Gehörte sofort in einen Gesamtzusammenhang stellen zu können und

damit die Dinge zu verstehen. Im Gegenteil: Wie kann man nur leben ohne je verstanden zu

haben? Wie soll sich diese Lebensweise mit einem regen Geist vereinbaren lassen?


 

Gedanken: 

 

Die Umkehr aller Werte 

 

·      Grundlegende Irrtümer 

 

Die Irrtümer der Glaubenslehren: 

Die Kirchen dienen nicht mehr den Menschen, sondern nur noch sich selber (Selbstanbetung). 

 

Die Irrtümer der Wirtschaft: 

Die Priorität des Profits des Einzelnen vor dem Wohlstand der Allgemeinheit wirkt sich verheerend

destabilisierend aus.  Als Gegenmittel ist ein humaner und ökologischer Sozialismus denkbar. 

 

Die Irrtümer der Politik: 

Geistige Fehlleistungen verhindern, dass Gesetze prioritär dem Schutz der Schwachen

vor den Starken dienen, die Natur gleichwertig den Menschen setzen  und über Grenzen ausgleichend wirken. 

 

·      Die Unmöglichkeit der Überwindung von Engpässen 

 

Der Faktor „Zeit“ als wichtigster Engpassfaktor 

Wieviel Zeit bleibt uns bis zum endgültigen „Point of no return“, d.h. Zeitpunkt, ab welchem die Menschheit nicht mehr überlebensfähig sein wird? 

 

Der Faktor „Militarismus“ als hemmende Grösse 

Wie reagiert der militärische Komplex auf die Zumutung der totalen Umkehr aller Werte und letztlich auf seine Entmachtung zugunsten ziviler Sicherheitssysteme? 

 

Spätfolgen der heutigen Entwicklung 

Die Aufrechterhaltung einer Entwicklung, die nicht menschengerecht - letztlich naturgerecht - ist, kann nur in einem totalen politischen und wirtschaftlichen Kollaps enden. Ein vernünftiger Lebens-standard würde diktiert von der intelligenten Verteilung langfristig vorhandener Güter und der guten Zuteilung von Leistungen der Gesellschaft. 

 

Der Konkurs der Dritten Welt 

Mangel an Nahrungsgrundlagen, die Bevölkerungsexplosion und fehlende Industrie und Dienst-

leistungen führen zur Erosion der Lebensgrundlagen.  Krankheits- und Hungerkatastrophen

bis hin zur Elimination grosser Teile der Bevölkerung sind die Folge. 

 

Der Konkurs der Industriewelt 

Mangelnde Energie- und Rohstoffe müssen in den Kollaps führen. Die Schwächung der mensch-lichen Organismen und die Verblödung des Geistes (Schwächung durch schlechtere Immun-systeme und immer blödere Fernsehprogramme) führen zu einem gewaltigen Leistungsabbau

und letztlich ins wirtschaftliche Chaos. Ein Kampf aller gegen alle bricht aus. 

 

·      Vom wahren Grundsatz der „Freiheit“ 

 

Der wahre Grundsatz der Freiheit lautet: „Alles tun, was der Natur, den Tieren und anderen

Menschen nicht schadet.“  Damit wird der jetzige Freiraum entscheidend eingeengt, ohne dass

deshalb die Lebensgrundlagen zusammenbrechen müssen. 

 

Zum Prinzip der Freiheit gehört auch der Grundsatz zur "Arterhaltung“: „Nichts mehr unternehmen, dass dem Ganzen schadet, also was sich direkt oder indirekt auf die Erhaltung der Arten schädlich auswirken könnte.“ 

 

·      Die Umkehr aller Werte   

 

Rückentwicklung auf die Urbedürfnisse der Menschen 

Die Ernährung, Kleidung, Fortbewegung und Wohnung wird auf eine primitivere Stufe zurück-

bewegt, die ein langfristiges Überleben einer bestimmten Menschenmasse garantiert. Das heisst nun nicht, in die mittelalterliche Armut und Unwissenheit zurückzukehren. Ganz im Gegenteil.

Es heisst, die heutigen unnötigen Exzesse auszumerzen und im übrigen die Errungenschaften

der Menschheit in schonender Weise weiter zu entwickeln. 

 

Schutz von Tier- und Pflanzenwelt 

Die Ernährung und die Lebensgrundlagen Luft und Wasser müssen im ewigen Kreislauf erhalten werden. Alle Lebewesen müssen als eine mit Gefühlen und Denkfähigkeit ausgestattete „Vorstufe“ zum Menschen wahrgenommen werden, was von selbst die Erhaltung von Tierfabriken und die „unmenschlichen“ Fangmethoden verunmöglichen wird. Die Vielfalt der Natur muss im Sinne

eines „Freizeitparkes“ für die kommenden Generationen verstanden werden. 

 

Verbot des unbeschränkten Verkehrs 

 

Die Reinhaltung von Luft und Wasser sowie die Erhaltung von Ressourcen über tausende

von Generationen verbietet automatisch den im Wortsinne „wahnsinnigen“ Auto-, Flug- und

Schiffsverkehr der heutigen Zeit. Im Rückblick wird nach der Klimakatastrophen die über-

lebende Menschheit kopfschüttelnd auf die langen Autostaus und die Bienenhäuser ähnlichen

Flughäfen starren und bestreiten, dass solches je Realität war. 

 

Entmachtung des Kapitals 

Der Kommunismus ist eingebrochen, weil er nie realistisch war. Noch schlimmer wird es dem Kapitalismus gehen, weil er die dümmste Irrlehre ist, die je von Menschenhirnen erdacht worden ist. Der Kapitalismus hat zur Anhäufung von Riesenvermögen in wenigen Händen und zu grosser Enteignung der überwiegenden Menschheit geführt und die Schere geht immer mehr auf. Noch

nie hat Kapital allein zu einer Leistung geführt. Immer mussten Leistungen von Händen und/oder Hirnen erbracht werden, damit ein „Produkt“ überhaupt entstehen konnte. Hierzu ist also kein Kapital vonnöten, es sei denn, dies werde vom Wirtschaftsystem dummerweise so vorgeschrieben. 

 

Enteignung unnötigen Eigentums 

Beim Übergang vom Kapital- zum Leistungsprinzip wird eine Enteignung unnötig beanspruchten Eigentums erforderlich. Diese mit Vorsicht durchgeführte Enteignung, die heute vielfach freiwillig geschieht  -  man denke an die Legate von ganzen Parks, Kunstsammlungen und Stiftungs-vermögen - hat zwei Zwecke: Zum einen Eindämmung der individuellen Habgier und Aggressions-entwicklung und zum zweiten  Sicherung der Bewegungsfreiheit der nichtbesitzenden Volks-mehrheiten. 

 

·      Voraussetzungen zur totalen Umkehr der Werte 

 

Es muss ein Umerziehen aller politischen Kräfte vom Wohlstands- hin zum Überlebensdenken

einsetzen. Dieser veränderte Denkprozess muss über die Medien in die Köpfe der grossen

Menschenmassen eingehämmert werden, wobei der Vorgang nur allmählich vonstatten gehen

kann und nicht - wie bei der Aufgabe des Kommunismus - in einer totalen Leere von Wert-

vorstellungen enden soll. Es muss den betroffenen Menschen klar sein, was diese Umkehrung

der Wertvorstellungen sowohl an Chancen wie auch an Nachteilen bewirken wird. Der Weg

wird schrittweise fortentwickelt, wobei hier der Zeitfaktor im Sinne des „point of no return“,

einerseits hinsichtlich der Naturzerstörung, d.h. endgültiger Zerstörung der Lebensgrundlagen,

wie anderseits hinsichtlich der Unumkehrbarkeit der neuen Gesellschaftsordnung, einkalkuliert

werden muss. 

 

·      Voraussichtliche Widerstände und ihre Überwindung 

 

Politische Interessenkonflikte

 

Privilegierte Nationen werden ihre vermeintlich noch vorhandenen „Vorteile“ nicht preisgeben

wollen. Deshalb muss der Prozess der Vermenschlichung von Wirtschaft und Kultur voraus-

geplant werden und die Abgabe von Privilegien in überschaubarem Rahmen geschehen.

Dabei ist es wichtig zu erkennen, was dabei gewonnen wird an Lebensqualität und mensch-

licher Kultur - ist doch Geben im Endeffekt beglückender als Nehmen. 

 

Wirtschaftliche Interessenkonflikte 

 

Die immer mächtiger werdenden Konzerne werden sich mit Hand und Fuss wehren gegen eine Enteignung. Dabei ist es den Führungsköpfen nicht zugänglich, dass eigentlich nur ihre persön-

liche Macht vermindert werden sollte und nicht der Betrieb als solches zu vernichten ist.

Der Betrieb ist in ökologischer und nachhaltig wirtschaftlich verträglicher Hinsicht zu reorga-

nisieren und in kleinere Einheiten aufzuteilen. Unnötige Verkehrswege sind zu vermeiden.

Die neue Wirtschaft achtet nicht auf Rentabilität, sondern auf guten Einsatz menschlicher und natürlicher Ressourcen mit Blick auf die Nachhaltigkeit des wirtschaftlichen Geschehens. 

 

·      Freiwilliger Verzicht oder Zwangsverzicht ? 

 

Diese Frage ist rhetorischer Natur, denn ein Zwangsverzicht lässt sich nicht diktatorisch ver-

ordnen. Ist die Alternative klar herausgearbeitet und verständlich in die Köpfe der Menschen eingedrungen, nämlich die Alternative zwischen Selbstzerstörung von Natur und Menschheit

oder schonende Umverteilung von Vermögen und Leistungen in ökologisch nachhaltiger Form, dann wird sich von selbst ein freiwilliger Verzicht einstellen. 

 

Es wird jedoch zu eine Frage der Zeit: Entweder profitiert bald einmal ein grosser Teil der

heutigen Menschheit von der richtigen Beantwortung der oben gestellten Alternativfrage oder

eine Rest-Menschheit wird nach der grossen Katastrophe im nächsten Jahrhundert zwangsläufig

die richtige Alternative ultimativ „erfahren“ müssen.