Lebenspartner

Rita – meine Lebenspartnerin 

 

Es gibt Glücksfälle im Leben und Rita war ein solcher Fall. 

Bei einer Einweihung einer Druckerei lief sie mir durch sehr grossen Zufall über meinen Weg. Ich beschaffte mir ihre Telefonnummer und nach einigen Verzögerungen wegen Ferien, wurde ein tolles Nachtessen bei einer Mühle im Aargauischen erlebt. Damit startete eine Liebschaft, die dauerte bis heute über einen Zeitraum von 40 Jahren.

Von der Zeit vor unserer Bekanntschaft ist nicht viel bekannt. Eine Ehe mit einem sehr schwierigen Mann und dann zwei Söhne, die sie allein aufziehen musste und beide machten nachher grossartige Karrieren. 

Als ich ihr begegnete, arbeitete sie als Sekretärin bei der Migros Zentralverwaltung und hatte mit sehr schwierigen und geldgierigen Vorgesetzten-Weibern zu tun. 

Immerhin holte ich sie jeweils mit den Citroen-Maserati um 18 Uhr bei der Migros ab und alle staunten aus ihren Fenstern, und dann ab nach Zurzach ins Wellnessbad, auf der Heimfahrt beste Restaurants und dann ein Wochenende voller Abenteuer in meinem schönen Haus über dem Zürisee. 

Seit ihrer Pensionierung kam noch eine Wohnung über Monaco dazu und sie konnte sich ein Rustico über dem Lago d’Orta kaufen, wo wir unglaubliche Abenteuer erlebten im Piemont bis Turin oder Venedig. 

Auch die Zeit an der Côte d’Azur war ein einziges Märchen mit unseren Hunden Nick, Clochy, Leon, Alexis und auch noch Melody und Farina und vielen Katzen – es ist einfach grossartig, dass wir die Tiere so liebten. 

Und denn die Ferien mit Pousada-Tour in Portugal, die Paradores-Tour in Andalusien, mit Wohnschiffen auf Kanälen im Elsass und bis nach Carcassonne. Velofahrt Wien-Budapest, Prag und Rügen und die Skiferien im Montafon. Besuche in Verona, die Heimat ihrer Mutter, die Begegnungen mit meinen Eltern, die sie sehr liebte, und überhaupt. 

Sie mochte als einzige Person weltweit meine Literatur und las alle meine Bücher mehrmals. 

Nie war uns langweilig, immer hatten wir tolle Gespräche und manchmal Nachtessen um 3 Uhr morgens zurück von ihrer Jugendzeit in Châtillon-sur-Indre bei Valençey, ihre tollen Spaghetti mit bestem Wein und Sicht aufs Mittelmmer bis Korsika. 

Würde ich alles aufzeichnen, gäbe es ein Buch von 1000 Seiten, aber es sollte eigentlich ihr Werk werden, wenn sie endlich zu schreiben beginnen würde.  

Inzwischen bin ich sogar in der Dialyse und erlebe Ärzte und Pfleger, die von nichts eine Ahnung haben, aber sich jede Mühe geben, dass es mir einigermassen gehe… 

Nun sind wir also alt und geniessen das Leben in einem tollen Haus und vielen Wanderungen – leider nun ohne Hunde, was ziemlich traurig ist. 

Wann die letzte Stunde schlägt, weiss keine Sau, aber das diese Menschheit total verblödete mit der Zeit, war doch etwas traurig und gewöhnungsbedürftig, aber wir haben uns entschlossen, dass dies völlig egal sein darf. 

Und nun, geht dahin wo der Pfeffer wächst – Freunde.

 

René Delavy – Côte d’Azur – Sept. 2026