MONACO
Monaco bedeutete einst für mich: Eine der zahlreichen Steueroasen der Welt. Immerhin war ich Unternehmensberater und Steuerexperte.
Doch eines Tages fragte mich ein befreundeter Architekt, ob ich mit meinen Französischkenntnissen ihn begleiten würde während Wochen zum Kauf und Umbau einer schönen Wohnung über Monaco, in Roquebrune, mit herrlicher Sicht auf die Stadt und die ganze Küste.
Wir erlebten fantastische Tage rund um Monaco während Wochen und frassen wie Götter jeden Tag, irgendwo am Meer oder auch mit der Equipe, die den Umbau vornahmen.
Doch er stellte später fest, dass er unbedingt eine Garage brauchte und kaufte nochmals eine kleine Wohnung und behielt die Garage und schenkte mir praktisch diese von ihm in ein Bijou umgewandelte Wohnung, die ich mit meiner Freundin und Hunden während 25 Jahren genoss.
Wir sahen vor allem den Tennisclub von Monaco unter uns, die ganze Küste bis Menton – mit Abstand die beste Destination an der Côte d’Azur - und bei klarem Wetter erkannte man in der Ferne sogar die Inseln Korsika und Sardinien. Und hoch über Monaco lag der teure Golfclub von Monaco, wo mein Architekt mit Milliardären zu spielen pflegte.
Es würde ganze Bücher füllen, hier unsere Abenteuer zu erzählen, aber wir entdeckten rasch, wie toll es war in der Altstadt beim Schloss vor dem Einnachten bis zum Hafen – wenn alle Touristen weg waren – zu spazieren, aber Essen konnte man in Monaco nicht. Aber im Casino die «Winterreise« von Schubert und gesungen von Fischer-Dieskau erleben, das war eine Pracht.
Bald entdeckten wir, dass den Spielen von Federer und Nadal zuschauen von oben nichts war im Vergleich zur Qualität von Menton, Ventimiglia, Nizza, und anderen traumhaften Orten an der Küste bis Saint Tropez und vor allem das wilde Hinterland in den Bergen, war eine Lebenserfahrung und eine Aufwertung des Daseins von hohem Wert.
Leider musste ich das Bijou verkaufen aus diversen Gründen und kam nie mehr in die Nähe von Monaco.
Nun das Negative:
Uns ging schon die Angeberei der Reichen zu jener Zeit - als Monaco noch fasst ein Dorf war, auf den Keks.
Aber was ich neulich sah vor dem Start des Formel 1 Rennens in Monaco, dieser Bluff mit VIPs ohne Wert und den Wichtigtuern per Tausenden auf ihren Balkonen und Jachten, erfasst von Idioten des TV, war zum Kotzen.
Wieder einmal wurde mir klar, wir bedeutungslos und nutzlos und verschissen diese Eliten sind, die meinen, jeder Einzelne, er sei ein King oder eine Kim Kardaschian, die sich auch wichtigtat, sie alle seien so wichtig wie der gottlos-dumme Trump.
Und das Rennen von Schulbuben wie Verrückte unter dem hirnlosen Applaus von Menschen, die völlig verblödet sind (geradezu war später das Tennis in Roland Carros bescheiden), war der Beweis:
Wir gehen einer Apokalypse entgegen und der Tod wartet nicht auf der Rennstrecke, sondern eigentlich überall.
Bald kommen die Effekte vom Klimakollaps und Wassermangel und Kriege und Crashs aller Finanzen und der Weltwirtschaft und dann wird es endlich so sauglatt, wie wir es hatten an der Côte d’Azur, wenn wir nicht in Monaco waren oder am Fête du Citron in Menton.
Nun, endlich ist dies mal geschrieben – Arschlöcher – und nun verreckt bald an der eigenen Spinnerei.
René Delavy – Côte d’Azur – written on June 7, 2026